Dorfgeschichte

(zusammengestellt von Heinz Loddenkemper)

1. DER ORTSNAME „DIESTEDDE“

Die Schreibweise des Ortsnamens hat sich im Laufe der Jahrhunderte mehrfach geändert. 1136 wird die Ortschaft Disteten genannt, 1217 liest man Thistede, später 1498 Dystede und dann schließlich Diestedde.

Die Bedeutung des Namens ist bis heute nicht endgültig geklärt worden. Zunächst vermutete man, dass der Name vom altgermanischen Gott Tyr abgeleitet wurde, der auf althochdeutsch auch Ziu oder Thiu hieß. Thistede wurde also als Heiligtum des Tiu gedeutet. Später vermutete man, dass der Name vom Wort „thing“ (germanisch) abgeleitet ist, was auf die Thingstätte, also eine Gerichtsstätte hinweisen würde. Es ist eine Tatsache, dass in Diestedde ein Freistuhl war. Dieser Gerichtsplatz liegt nahe Schloss Crassenstein, wo im Bereich der ca. 900 Jahre alten Femeeiche eine solche Freigerichtsbarkeit stattfand. Auch eine Hinrichtungsstätte wird im Bereich der Feldflur vermutet.

In Diestedde grenzten verschiedene Besitzungen aneinander. Die Besitzungen des Grafen von Rietberg (des Burggrafen von Stromberg), die Besitztümer des Propstes von St. Mauritz und die des Klosters Werden stießen hier aneinander. Einige der 5 Bauernschaften (Altendiestedde, Dorfbauerschaft, Entrup, Düllo, Dorf) werden bereits um 900 urkundlich erwähnt. Die Christianisierung begann um 777 durch den königlichen Missionsbeauftragten Bernradh in unserer Gegend.

2. GRÜNDUNGSPHASE 

1136Erstmalige urkundliche Erwähnung Diesteddes als Pfarrort. Das Kloster Liesborn ist im Besitz eines Zehnten, der innerhalb der Pfarrei Diestedde liegt („infra parochiam Disteten“).
Als Lehnsträger des Grafen von Rietberg besitzt der Burggraf von Stromberg das Patronatsrecht. Somit kann er die Pfarrstelle besetzen, die Burggrafenfamilie hat vermutlich auch die Pfarrkirche in Diestedde gegründet. Alle Diestedder Pfarrkirchen sind seit dieser Zeit dem heiligen Nikolaus geweiht.

St. Nikolaus-Statue (Bild: Benedikt Brüggenthies)

1217Der Bischof Otto I. (Münster, 1204 – 1218) bestätigt, dass in der Kirche zu Diestedde der heilige Nikolaus verehrt wird.
1318Bischof Ludwig II. von Münster (1310-1357) bekundet, dass alljährlich in Diestedde eine Nikolauswallfahrt und eine Nikolausprozession stattfinden.

3. AUFBAU UND FESTIGUNG DER SIEDLUNG

1376Es kam zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Burggrafen Johann II. von Stromberg und dem Bischof Florenz von Münster (1364 - 1378). Während dieser Streitigkeiten erobert der Bischof Florenz gemeinsam mit dem Bischof Theoderich von Osnabrück das Schloss Crassenstein.
1498Diestedde gehört zusammen mit Benteler, Herzfeld, Liesborn, Oelde, Sünninghausen, Wadersloh, Ostenfelde und Hoetmar zum fürstbischöflichen Amt Stromberg.
1535Die Familie von Wendt zu Crassenstein wendet sich der Reformation zu. Die öffentliche Nikolausverehrung und auch die -Prozession in Diestedde werden untersagt.
1636Das heutige Schloss Crassenstein wird fertiggestellt (Franz III. von Wendt und seine Frau Anna von Ketteler zu Assen).
1652Der erste bekannte Lehrer Johannes Helme (gleichzeitig Koch auf Crassenstein) unterrichtet Kinder (bis ins 19. Jahrhundert) in angemieteten Räumen.
1657Das zweite Armenhaus ( abgebrochen 1936 ) wird von Wilhelm Diederich von Wendt und seiner Frau Aleid von Hoevel gestiftet.
1823Die zweite romanische St. Nikolauskirche wird erbaut.
1839Das erste eigene Schulgebäude wird bezogen (erweitert um 1851).
1840Das Schloss wird renoviert (Wiedenbrücker Baumeister Konrad Niermann).
Um 1850 wird eine weitläufige Parkanlage angelegt (Reste sind die Plastiken Herakles und Milon von Kroton).
1865Die zweite St. Nikolauskirche wird vom Blitz getroffen und brennt bis auf die Grundmauern nieder.
1877Oswald von Wendt stirbt unvermählt. Damit erlischt der alte Name. Neue Besitzer werden die Grafen von Marchant und Ansembourg.
1883Das älteste Kreditinstitut auf genossenschaftlicher Basis im Altkreis Beckum wird in Diestedde gegründet.
1885Die dritte St. Nikolauskirche wird am 28.Juli durch Bischof Johannes Bernard Brinkmann eingeweiht.
Hochaltar dritte Kirche

4. NEUERE ENTWICKLUNGEN

1898Die Bahnstrecke Beckum-Lippstadt der Westfälischen Landeseisenbahn wird eröffnet. Seit dem 1. Juni 1975 dient die Bahnstrecke nur noch dem Güterverkehr, der Bahnhof wird Anfang 1982 abgerissen.
1903Neubau einer einklassigen Schule, die 1913 erweitert werden musste (Knabenschule am Kirchhof, Mädchenschule auf der Brede).
1929Neubau einer vierklassigen Schule (Erweiterungen 1961 und 1976). Es ist die jetzige St. Nikolaus-Grundschule.
1951Eröffnung der privaten Realschule St. Marien auf dem Schlossgelände Crassenstein (Schul- und Internatsgebäude), die schließlich am 31.7.1982 geschlossen werden musste.
1953Bau der evangelischen Kirche (Erlöserkapelle)

Erlöserkapelle (Bild: Fritz Streffer)

1958Die 4. St. Nikolaus-Kirche wird von Weihbischof Baaken konsekriert. Der Vorgängerbau wurde wegen Baufälligkeit 1962/1963 abgerissen.

St. Nikolaus-Kirche (Bild: Benedikt Brüggenthies)

1968Eröffnung des St. Nikolaus-Kindergartens, Bezug des modernen Neubaus 1970, Einweihung des Erweiterungsbaus am 25. Juli 1976.
1974Die bisher selbstständige Gemeinde Diestedde wird aufgelöst: Die Großgemeinde Wadersloh mit den Ortsteilen Wadersloh, Liesborn und Diestedde entsteht am 01. Januar1975.
1983Das Karl-Leisner-Heim wird als neues Pfarrheim eingeweiht.
1986850-jähriges Jubiläum: Höhepunkt ist ein großer Festumzug mit Motiven aus der Geschichte Diesteddes mit etwa 10 000 Zuschauern aus nah und fern.
1989Der Naturpark Hangkamp mit ca. 10 000 Quadratmetern Fläche wird von über 100 ehrenamtlich helfenden Diesteddern angelegt.
1993Das Backhaus wird vom Heimatverein in unmittelbarer Nähe zur St. Nikolauskirche wiedererrichtet (Translozierung).
1999Das Schloss Crassenstein wird von Prof. Dr. Paul Drews (+ 2012) gekauft.
2008Fischtreppe, Sichtachse und Mühlrad werden gebaut bzw. erneuert.

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Quellen:
Brüggemann, Erich-Werner (Hrsg.): 850 Jahre Diestedde, Diestedde 1986
Heimatverein Diestedde (Hrsg.): 875 Jahre Diestedde, Diestedde 2011
Mennebröker, Mechthild: Häuser und Höfe der Gemeinde Wadersloh, Warendorf 1991
Lesting,Heinrich: Geschichte der Höfe und Familien von Diestedde, Diestedde 1997